Ausgeraubt und abgesoffen

Strand am Morgen Rimini

Von einem Geräusch, gleich neben meiner Liege wache ich auf. Mist, ist das der Strandwächter, der mir nun ein saftiges Bußgeld abknöpfen wird? Nein, die Person entfernt sich, rasch laufend. Nur ein morgendlicher Jogger. Ich drehe meinen Kopf. Eigenartig, der Jogger läuft mit Rucksack und an dem Rucksack ist eine Isomatte befestigt.

Rucksack-Riemen Gurt durchtrennt abgeschnitten Strand Italien

Ich bin noch im Halbschlaf, deshalb dauert es einige Zeit, bis ich realisiere, was gerade passiert ist. Scheiße! Hastig drehe ich mich zur Seite. Mein Rucksack ist weg! Stattdessen liegt im Sand der durchtrennte Riemen, den ich gestern Abend zur Sicherheit an der Liege befestigt habe.

Rucksack durchwühlt geklaut Rimini Adria Italien Touristen-Ort

Hastig springe ich auf. Hinter der Liege liegt der durchwühlte Rucksack. Alle Fächer sind offen. Mir wird schwindelig. Mein Geld, meine Papiere, mein Notebook. Alles weg?

Schnell mache ich mich daran, den Inhalt des Rucksacks zu überprüfen.

Nichts fehlt! Offensichtlich war ich rechtzeitig aufgewacht und die Geheim-Verstecke im Rucksack haben ihre Wirkung getan.

Rucksack-Gurt flicken nähen reparieren

Glücklicherweise habe ich an Nadel und Faden gedacht, so ist der Riemen schnell geflickt. Ein seltsames Gefühl bleibt trotzdem. Auf meiner Reise bin ich so vielen netten und hilfsbereiten Menschen begegnet, dass ich fast vergessen habe, dass es noch andere gibt.

Sonnenaufgang Morgen am Meer Italien Rimini Strand

Beim Blick in Richtung Meer ist der Schreck schnell vergessen. Weit und breit keine Menschenseele am Strand. Die Sonne steht tief und der Wind ist noch angenehm kühl. Ich packe meine Sachen zusammen und gehe einfach am Wasser entlang. Tief atme ich die salzige Meeresluft ein, als ich barfuß durch den feinen, weichen Sand laufe.

Alles ist still. Die Stadt ist noch nicht erwacht.

Hängematte Backpacking Rucksack Rimini

Langsam steigt die Sonne weiter auf und vertreibt die Wolken. Der Strand füllt sich zusehend. Erst kommen die Jogger, dann die Spaziergänger mit Hund und schließlich auch die Badegäste.


Zeit für mich den Strand zu verlassen.


Auf einer kleinen Wiese vor einem Hotel, baue ich erstmals auf meiner Reise meine Hängematte auf. Es klingt verrückt. Ich achte auf jedes Gramm im Gepäck und dann schleppe ich eine Hängematte mit, aber für mich ist das Gefühl des leichten Schaukelns unter den Bäumen Urlaub und Entspannung pur und damit ein Luxus, den ich mir gönnen möchte.

Digitaler Nomade Macbook Air Hängematte arbeiten

Hier schreibe ich über mein Handy diverse Couchsurfer aus Rimini an, denn den Nervenkitzel am Strand brauche ich so schnell nicht noch einmal. Dann heißt es warten.

In der Zwischenzeit schreibe ich ein wenig über meine bisherigen Erlebnisse.

Kanal Rimini Boote Sonne Italien Harfen

Schließlich entschließe ich mich, mir etwas die Stadt anzusehen. Bei Tag sieht es hier ganz anders aus, aber nicht weniger schön. Über die kleinen Kanäle an Bananenstauden vorbei gelange ich schließlich zu einem Campingplatz. 9€ pro Nacht. Das klingt gut.

Zelt-Lasche nähen

Unter den Bäumen baue ich mein Zelt auf, zwischen den Bäumen die Hängematte.

Mit Nadel und Faden nehme ich einige kleine Änderungen am Zelt vor. Die Laschen, welche nur mit einem Klettverschluss geschlossen werden, öffnen sich, wenn das Zelt mit Heringen aufgebaut wird, also nähe ich sie kurzerhand zu.

Zelt selber nähen

Dann steht das Zelt. Leider ist der äußere Reißverschluss defekt, das Zelt lässt sich nicht mehr gegen Regen schützen, aber hier in Rimini werde ich den Regenschutz doch hoffentlich nicht mehr brauchen.

Alleine ist es hier ziemlich langweilig, also mache ich mich auf, um neue Leute kennenzulernen. Nach netten Gleichaltrigen muss man hier zum Glück nicht lange suchen. Meine Zeltnachbarinnen  Eva, Ester und Isa kommen aus dem Norden der Niederlande und sind mit dem Zug nach Rimini gekommen, um Sonne und Strand genießen.

Wir spielen Karten bis es dunkel wird und gehen schließlich zusammen zum Strand.

Das Wasser ist wärmer als die Luft. Wir schwimmen zu einer kleinen Insel, von wo aus man einen großartigen Blick auf die fernen Schiffe, die Lichter der Stadt und schließlich auch auf ein fernes Feuerwerk hat. Hier sitzen wir bis spät in die Nacht, reden über alles und nichts und genießen Italien.

Was das Filmen und Fotografieren angeht gönne ich mir mal Urlaub. Das gilt auch für den nächsten Tag, an dem wir die Altstadt Riminis erkunden.

Italien Rimini Touristen-Ort Straße

Wir essen Eis, trinken Kaffee, essen noch mehr Eis und suchen schließlich Schutz in einem Modegeschäft, da es gießt wie aus Eimern, während der Donner grollt und die Blitze zucken. Zurück am Zeltplatz stelle ich wenig überrascht fest, dass mein Zelt und sein gesamter Inhalt klatschnass sind.

Wenig motiviert, den Abend in diesem Sumpf ausklingen zu lassen, drehe ich noch eine Runde am Meer. Die Straße ist an diesem Samstagabend deutlich belebter, als am Donnerstag bei meiner Ankunft. Dicht an dicht stehen die Straßenhändler, ihre Ware auf Decken vor sich ausgebreitet. Überall dasselbe. Zwischen billige Handtaschen und Sonnenbrillen, Armbändchen und Halsketten, mischen sich heute ausnahmsweise auch Jacken und Regenschirme.

Ein Mann fällt mir in dem Einheitsbrei jedoch besonders auf. Er bemalt Kacheln mit farbenfrohen Meerespanoramen. Diese Maltechnik habe ich schon zweimal auf derartigen Nachtmärkten gesehen und war jedes mal beeindruckt. Durch wischen mit den Fingern, kreiert er in Sekunden Wasserfälle, Palmen und eine, über dem Meer untergehende, Sonne.


Nachdem ich einige Stunden das ruhige Nachtleben genossen habe, kehre ich hundemüde zu meinem Zelt zurück. Es dauert nicht lange, bis ich trotz der Nässe in einen tiefen, ruhigen Schlaf falle.


Was ist dir wichtiger? Vertrauen oder Sicherheit?
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Kommentare: 19
  • #1

    Nicole (Mittwoch, 03 September 2014)

    Sehr fesselnder Beitrag! Ich finde man sollte sich auch nicht von negativen Erfahrungen davon abhalten lassen, anderen Menschen zu vertrauen!

  • #2

    jannislife (Mittwoch, 03 September 2014 22:41)

    Vielen Dank, für das nette Feedback :)
    Schön, dass du das genauso siehst. Ich habe ehrlich gesagt lange überlegt, ob ich das Ereignis und ein paar, die in den nächsten Berichten noch folgen werden einfach weglasse, aber dann wäre die Geschichte einfach unvollständig.

    Ich hoffe ich mache hier keinem Angst vor Abenteuern, denn das Positive überwiegt ums Tausendfache!

  • #3

    Stephanie Franz (Donnerstag, 04 September 2014 12:13)

    Hi, wir sind auch schon mal im Urlaub ausgeraubt worden. Das war damals während der Heimreise. Kurz vor der Grenze, als wir noch die letzten spanischen Pesetas ausgeben wollten. Mit Umhängetasche aus dem Auto ausgestiegen und während dem Aussteigen peste ein Motorrad an uns vorbei und riss mir die Tasche weg. Damals waren wichtige Papiere in der Tasche. Es war ein riesiger Aufwand, vorläufige Papiere zu bekommen, damit wir überhaupt die Grenze passieren konnten. Sei echt froh, dass es bei dir doch noch glimpflich ablief. LG, Stephanie

  • #4

    Markus (Donnerstag, 04 September 2014 18:33)

    Hey, cooler Beitrag. Als der Jogger mit Rucksack und Isomatte loslief dachte ich das sind deine Sachen. Waren sie doch nicht?

    Jedenfalls immer ein Schock, wenn wichtige Papiere oder das Notebook möglicherweise geklaut wurden!

    Zum Glück hast du noch alles :-)

    Viele Grüße

  • #5

    jannislife (Donnerstag, 04 September 2014 19:13)

    @Stephanie Franz: Das klingt ja echt übel. Ich bin wahnsinnig froh, dass ich rechtzeitig aufgewacht bin. Eine Minute später wäre das Wichtigste sicher weg gewesen.
    Habt ihr euch das Kennzeichen notiert und damit noch etwas ausrichten können?

    @Markus: Gott sei Dank schleppe ich jede menge Kram mit. Das war dem Dieb wohl zu schwer :-D
    Aber der verschwundene Rucksack und der Durchtrennte Riemen im Sand waren zum wach werden besser als 5 Tassen Kaffe!

  • #6

    Janina (Freitag, 05 September 2014 12:06)

    Sehr eindringlicher Bericht - in einem Zug durchgelesen. Hast Du deine Wertsachen dann im Zelt auf dem Campingplatz gelassen?

    Wir sind mal in der Metro von Paris mit Gas besprüht worden und die Handtasche mit Pässen wurde dabei vom Körper gerissen. Sind anschließend mit der Polizei durch das umliegende Ghetto rumgefahren, um die Täter eventuell zu identifizieren - vergebens. In Barcelona haben wir kurz an einer Sehenswürdigkeit angehalten und dabei wurde der Rücksack aus dem halboffenen Fenster geklaut, während der Komplize uns mit einer Karte abgelenkt hat :( Haben mal am Strand von Palma übernachtet, jedoch zum Glück nicht übefallen. Dafür aber jede Stunde von irgendwelchen Drogenjunkies geweckt ;)

    LG, Janina

  • #7

    jannislife (Freitag, 05 September 2014 21:40)

    Hey, Janina :)
    Ja, ich habe sie im Zelt gelassen. Ich Campe seid ich mich erinnern kann und habe noch nie schlechte Erfahrungen gemacht. Auf dem Platz sind immer so viele Leute, da traut sich keiner was zu klauen.
    Wenn man überall nur Gefahr sieht, kann man so eine Tour nicht genießen.
    Nur mit dem Regen hätte es kritisch werden können. Zum Glück packe ich immer alles in Plastikbeutel, denn mein Rucksack lag in einer ca. 7cm hohe Pfütze.

    Uff, das sind ja krasse Berichte. Besonders das mit dem Gas in der Metro. Feige Diebe gibt es viele, aber einen Überfall habe ich bisher noch nicht erlebt.

    Ich werde mir aber auf jeden Fall noch, wie in meiner Packliste beschrieben (Link in der Seitenleiste) noch ein Rucksackschloss zulegen!

    LG Jannis

  • #8

    Alex (Sonntag, 07 September 2014 21:20)

    Hey Jannis,

    toll geschrieben :)
    Eine Frage zur Hängematte: Ich lieeebe Hängematten und hätte auch gerne eine dabei. Ich frage mich aber, wo und wie ich die befestigen soll. Also vor allem Wie?

    LG Alex

  • #9

    jannislife (Montag, 08 September 2014 14:44)

    Hey Alex,
    vielen Dank! Ich werde zum Reisen mit Hängematte gleich mal einen Artikel schreiben. Das scheint ja unter Backpackern noch kaum ein Thema zu sein.
    Vorab schonmal die Kurzform:
    Ich hänge sie einfach zwischen Bäume. Dazu habe ich für jede Seite ein langes Seil zu einer Schlaufe geknotet. Diese wickle ich entsprechend der Baumdicke zwei bis drei mal um den Stamm. Das Ende der Schlaufe ziehe ich durch den Anfang und befestige an diesem den Karabiner, der das Seil mit der Matte verbindet.

    Ich hoffe, das war soweit verständlich. In ein ein paar Tagen lad ich das ganze mal ausführlich und mit Bildern hoch :)

  • #10

    Svenja (Sonntag, 14 September 2014 08:48)

    Hallo,
    Toll geschriebener Artikel und fesselnd durch die schlechten Erfahrungen - aber diese machen reisen Doch erst einzigartig - sonst kannst auch ins Hotel und dich an den Pool legen ;)
    Ich finde es wichtig, dass reiseblogger auch negative Erfahrungen schreiben und so können wir uns untereinander nur Tipps versorgen - wenn du denkst , dass alles gut geht bindest du deinen Rucksack nicht an der liege fest. Hast kein Nähzeug dabei, ... Aber durch negative erfahrunge hat man eine spezielle Erfahrung und kann Tipps geben :) in Bezug auf Papiere finde ich es wichtig, das man Perso, etc als Kopie hat und auch digital wo abgespeichert hat.
    Eine schöne weiterreisendes tolle Erfahrungen :)

  • #11

    jannislife (Sonntag, 14 September 2014 10:30)

    Ich stimme dir absolut zu! Ich liebe Abenteuer. Und wenn ich was unvorhergesehene Ereignisse angeht, die positiven und negativen gegen einander aufwiege, kann ich nur sagen: Der Trip war awesome!

  • #12

    Maegwin (Sonntag, 14 September 2014 16:44)

    Gut gegangen! Krass - aber es passiert, leider und immer wieder. Das ist ja mein Alptraum, im Urlaub ausgeraubt zu werden, zum Glück ist mir das noch nicht passiert.
    Sich zu Hause zu verkriechen wär aber auch keine Lösung.

  • #13

    Evy (Donnerstag, 18 September 2014 16:36)

    Du bist echt mutig :-)

  • #14

    jannislife (Donnerstag, 18 September 2014 17:37)

    Hey Maegwin,
    ich stimme dir absolut zu, dass sich zuhause zu verkriechen keine Lösung ist.

    Evi, so mutig bin ich gar nicht. Es gibt zwar viele Taschendiebe, aber die Art von Kriminellen, die einen Absticht und in den Straßengraben schmeißt ist doch eher selten, also nur Mut :)

  • #15

    jannislife (Sonntag, 21 September 2014 23:21)

    Hey Alex,
    du hast mich ja gefragt, wie ich die Hängematte aufhänge. Hier die Antwort: http://www.jannislife.de/2014/09/21/backpacking-mit-hängematte-mit-video/

  • #16

    Mel (Montag, 22 September 2014 15:05)

    Hey Jannis,

    ich hab es gestern leider nicht geschafft, etwas zu schreiben.

    Oh, da hast du aber wirklich viel erlebt. Zum Glück ist nichts weiter passiert. Es hätte ja auch viel schlimmer Enden können.

    Mein Freund und ich reisen auch viel und bisher dachte ich auch, immer etwas abenteuerlich, aber das was du so machst, haben wir noch nie gemacht. Dafür bin ich glaub ich, zu sehr Schisser.

    In Hängematten liegen wir aber auch gerne. Das erste Mal haben wir in Kolumbien in welchen übernachtet. Das war vielleicht entspannend.

    Lg Mel

  • #17

    jannislife (Montag, 22 September 2014 15:28)

    Hey Mel,
    ach, es kann immer was passieren, aber das macht es ja um so spannender!
    In Kolumbien in der Hängematte schlafen, dass klingt auch nach einem spannenden Abenteuer :)

  • #18

    Ilona (Donnerstag, 02 April 2015 13:45)

    Kenn das Gefühl... im Nachtzug durch Tschechien liege ich auf der Bank und döse vor mich hin. Neben mir liegt meine Umhängetasche.
    Plötzlich geht die Tür auf - ich blicke auf und schaue in das Gesicht einer sehr erschrockenen jungen Frau, die sich schlagartig hinsetzt und irgendetwas auf Tschechisch sagt. Ich antworte noch etwas benommen: "Sorry, I don't understand". Sie sagt wieder etwas. Ich antworte wieder "Sorry, I don't understand"
    Da springt sie auf und rennt davon. Erst in dem Moment wurde mir klar, dass sie es wohl auf meine Tasche abgesehen hatte - und vorbei wars mit aller Schläfrigkeit.
    In der Tasche war zwar nichts, was von Wert war - denn ich trage das v.a. im Nachtzug immer am Körper - aber dennoch ist das einfach ein ungutes Gefühl, das zurückbleibt.

  • #19

    jannislife (Donnerstag, 02 April 2015 14:05)

    Hey Ilona,
    das ist wirklich ein doofes Gefühl. Gut, dass in der Tasche nichts wichtiges war!

    Liebe Grüße
    Jannis