Gletscher - Tödliche Gefahr

Braunschweiger Hütte Alpen Österreich E5

Heute wandern wir erstmals über den Gletscher. Die Vorfreude ist groß. In weichen, warmen Betten wachen wir auf, nicht im engen, kühlen Zelt. Nur ein Problem bleibt noch: Der Hunger.

Zum Frühstück gibt es Rosinen und eine Scheibe Brot. Mehr können wir uns nicht erlauben zu essen. Unser Proviant ist fast aufgebraucht und wir haben schon viel mehr Geld für Übernachtungen ausgegeben, als erwartet.

Als Wibke grade im Begriff ist, ihren Rucksack zu packen, bemerkt sie einen Zettel, der unter diesem klemmt.

Der Zettel verbirgt einen Zwanziger. Unsere Zimmergenossen hatten wohl Mitleid mit uns.

Dankbar nehmen wir das Geld an. Unsere Wohltäter waren längst aufgebrochen.

 

Essen Apfel Berggipfel Gletscher Braunschweiger Hütte Alpen Österreich E5

Und nochmal haben wir Glück: Neben dem Waschbecken liegen zwei Äpfel. Jemand hat sie wohl gewaschen und dann vergessen. Wie auch unsere anderen Wohltäter, müssen die Besitzer längst über alle Berge sein. Wir sind die Letzten auf der Hütte.

 

Berggrad Gipfel Gletscher Braunschweiger Hütte Alpen Österreich E5 Zwieselstein Sonneck

Auch wir brechen auf. Es steht ein langer Abstieg bevor. Doch wie so oft, kommt erst noch der Rest vom Anstieg. Einen steilen Geröllhang geht es hinauf, dann über einen schmalen Gipfelgrad weiter. Dieser ist stellenweise eingeschneit. Wir wandern auf der Oberkante des Gletschers. Auch wenn der Schnee nicht ganz so angsteinflößend aussieht, wie die schroffen Felsen, die auf der anderen Seite emporragen, ist hier das Laufen besonders schwierig. Durch die Sonne ist der Schnee weich geworden. Immer wieder brechen wir bis zu den Knien ein.

 

Gletscher Fels Steilhang Geröllhang Braunschweiger Hütte Alpen Österreich E5 Zwieselstein Sonneck

Ich gehe ein Stück vor, um einen Weg über eine scheinbar unpassierbare Stelle zu suchen. Vorsichtig trete ich auf den Schnee. Als dieser nicht nachgibt, stelle ich mich mit meinem vollen Gewicht auf ihn. Der Schnee gibt nach. Ich verliere den Halt, breche ein und schlittere geradewegs auf den Abgrund zu. Meine Hacke stemme ich gegen einen Felsen, der aus dem Schnee ragt, mit der Linken halte ich mich an einem Anderen fest. Durchnässt vom eiskalten Schmelzwasser und mit Schnee in den Schuhen gelingt es mir, mich wieder auf den Weg zu ziehen.
 Für mich eine Mahnung, noch vorsichtiger zu gehen.

Klettern Felsen Braunschweiger Hütte Alpen Österreich E5 Zwieselstein Sonneck

Der Gipfelgrad, auf dem wir laufen, steigt immer steiler an, wird erst ein Klettersteig und dann Steilwand. Hier gibt es kein Weiterkommen mehr. Fast glauben wir schon, wir hätten uns verlaufen, da kommen uns zwei Wanderer vom Gletscher her entgegen. Schnell ist klar: Dies ist unser Weg.

Gletscher Schnee Skipiste Braunschweiger Hütte Alpen Österreich E5 Zwieselstein Sonneck

Der Abstieg auf dem steilen Gletscherhang, auf dem ich normalerweise jeden, ohne Eispickel und Spikes für verrückt erklärt hätte, entpuppt sich als ausgesprochen angenehm zu gehen. Hier ist es von Vorteil, wie weich der Schnee ist. Tief sinken wir ein. So besteht nicht die Gefahr, abzurutschen und den steilen Abhang hinunter zu schlittern. Außerdem verdoppelt das Einsinken die Schrittlänge, wir schlittern und sinken praktisch unserem Ziel entgegen.

 

Bachsteine Braunschweiger Hütte Alpen Österreich E5 Zwieselstein Sonneck

Nachdem wir den Gletscher hinter uns gebracht haben, ist es Zeit unseren letzten Proviant aufzuzehren. Ich öffne eine Thunfischdose, die ich mit dem altbewährten Taschentuchtrick aufwärmen möchte… und bekomme eine Öldusche. Über und über mit, nach Fisch stinkendem Öl benetzt, fällt mir wieder ein, dass wir nach wie vor ziemlich hoch sind. Die Thunfischdose, die wohl tiefer abgefüllt wurde, stand in der dünnen Luft unter großem Druck, der sich beim Öffnen in einer Ölfontäne entladen hatte.

Egal, mit knurrendem Magen ist alles Essbare ein Segen. So ist es nicht verwunderlich, dass der Thunfisch schmeckt, wie das Leckerste auf der Welt. Gestärkt gehen wir weiter. Der Rest des Abstieges fällt uns leicht.

 

Stadion Wintersport Skipiste Braunschweiger Hütte Alpen Österreich E5 Zwieselstein Sonneck

Langsam wird es touristischer. Über eine Asphaltstraße geht es, an einer Skipiste vorbei, ins Tal. Eigentlich hätten wir uns die zusätzlichen 5 Kilometer und 600 Höhenmeter sparen und auf einer Hütte übernachten können, denn am nächsten Morgen müssen wir die selbe Strecke wieder zurück gehen, doch die Hütte ist ausgesprochen teuer und wir brauchen dringend neuen Proviant.

 

Kochen draußen Outdoor Lagerfeuer Kochtopf Gericht Braunschweiger Hütte Alpen Österreich E5 Zwieselstein Sonneck

Im Tal decken wir uns mit Lebensmitteln ein, Brot, Käse und Salamis für die nächsten Tage und Kartoffeln, Paprika, Ei, Gurke, Tomate und jede Menge anderes Obst und Gemüse für den Abend. Wir übernachten im Wald, auf dem Lagerfeuer bereiten wir uns ein Festessen zu.

 

Frosch Frösche Braunschweiger Hütte Alpen Österreich E5 Zwieselstein Sonneck
Der Kleine hat noch mal Glück gehabt.

Wir schlafen ein, satt und mit der Aussicht, dasselbe am nächsten Morgen noch einmal zu essen.

PS: Hier haben wir den E5 verlassen, ab sofort geht es auf der, landschaftlich noch schöneren Via Alpina weiter.


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